Terra Preta

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Terra Preta bezeichnet antropogene (d.h. menschengemachte) schwarze Böden in Südamerika, die sich durch hohe Ertragskraft, außergewöhnlich hohen Humusgehalt und hohe Wasserspeicherfähigkeit auszeichnen. Sie bestehen zu einem signifikanten Teil aus verkohlter Biomasse (siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Biomasse). Der Aufbau von hohen Humusgehalten durch die Anreicherung und Speicherung von Kohlenstoff zur Bodenverbesserung funktioniert in allen Breitengraden. Die Terra Preta könnte sich zu einer Schlüsselinnovation entwickeln und die Landnutzung des 21. Jahrhunderts revolutionieren.


Inhaltsverzeichnis

GESCHICHTE

(siehe auch Geschichte - Terra Preta): Terra Preta wurde von den Ureinwohnern Amazoniens seit 7000 Jahren entwickelt. Die meisten Formationen sind 2000 Jahre alt. Vor 500 Jahren ging das Wissen zur Herstellung von Terra Preta in Folge der europäischen Kolonisierung verloren. Das Thema wird erst seit wenigen Jahren intensiver wissenschaftlich untersucht. In Deutschland hat sich insbesondere die Universität Bayreuth mit dem Thema befasst. Darauf aufbauend wurden die Grundprinzipien der Herstellung von Terra Preta durch deutsches Forschungsnetzwerk wiederentdeckt. In den USA nimmt die Universität Cornell in New York State die Vorreiterrolle ein.

BESCHREIBUNG

Die Terra Preta ist als sozio-kulturelles Phänomen das Ergebnis eines nachhaltigen Abfall- und Bodenmanagements. Um Terra Preta herzustellen, wird Biomasse zusammen mit Biokohle und Fäkalien anaerob vergährt (zu alternativen Herstellungsverfahren siehe auch Herstellungsverfahren - Terra Preta). Die Biokohle selbst wird durch Verschwelung erzeugt. Sie hat eine extrem hohe Innenoberfläche von 300qm pro Gramm. Die Biokohle dient als Lebensraum für fruchtbarkeitsfördernde Mikroorganismen sowie als langfristiger Nährstoff- und Wasserspeicher. In Terra Preta können bis zu 250 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar gespeichert werden. Zum Vergleich: Ackerfläche in Deutschland enthält typischerweise weniger als 30 bis 100 Tonne Kohlestoff pro Hektar. Ökologisch und ökonomisch hat der Einsatz von Terra Preta folgende Auswirkungen:

KLIMA

(siehe auch Klimapotentiale - Terra Preta): Neben den Wäldern könnten Böden als langfristige Kohlenstoffsenke genutzt werden. Mit der Biokohle können der Atmosphäre dauerhaft große Mengen Kohlendioxid entzogen und als Dauerhumus gespeichert und gleichzeitig die Flächenproduktivität erhöht werden. Mit der Terra Preta eröffnen sich neue Möglichkeiten für die Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel.

ERNÄHRUNG

Kommende Welternährungskrisen lassen sich nicht durch Agrogentechnik vermeiden, sondern nur durch eine nachhaltige Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit. Der Einsatz von Terra Preta führt gleichzeitig zu einer massiven Reduktion des Bedarfs an Dünger, insbesondere Phosphor und Stickstoff sowie von Pestiziden. Mit wachsender Bevölkerung könnte durch die Schließung von regionalen Kreisläufen mehr gesunde Lebensmittel, Energie und Rohstoffe sowie das Einkommen verbessert werden.

ENERGIE

Die Erzeugung der für die Terra Preta Herstellung notwendigen Biokohle ist eine exothermer Prozess, der zur dezentralen Herstellung von Wärme und Strom genutzt werden kann. Auf Terra Preta Böden könnte nachhaltig wesentlich mehr Bioenergie produziert werden.

SENKUNG VON UMWELTBELASTUNGEN

Es gibt zahlreiche kontaminierte Biomasseströme, die derzeit nur kostenintensiv auf Deponien gelagert werden können und damit den Stoffkreisläufen entzogen werden. Dazu gehören Klärschlämme (Hormon-, Antibiotikabelastungen), Grünschnitte in Überschwemmungsgebieten, an Autobahnen (Dioxinbelastungen), landwirtschaftliche Abfälle wie Weintrester, Obstschalen etc. (Pestizide, Herbizide). Es gibt Verfahren zur Herstellung von Biokohle, durch die alle diese giftigen organischen Verbindungen emissionsfrei ausgegast werden. Damit lassen sich diese Reststoffe sowohl energetisch als auch zur Bodenverbesserung nutzen bei gleichzeitig permanenter CO2-Bindung.

PHILOSOPHIE

Während der Begriff Terra Preta als Bezeichnung für die Schwarzerden in Südamerika populär geworden ist, läßt sich bereits absehen, daß er erweiterte Anwendung finden wird. Über das Ergebnis - einem nachhaltig fruchtbaren und biodiversem Boden - hinaus wird er sich erstrecken auf das Herstellungsverfahren, das diesen Böden zugrundeliegt und damit auch der dahinterstehenden Philosophie. Da kein Boden einem anderen gleicht, da überall unterschiedlichste Klima- und Vegetationsbedingungen herrschen, da unterschiedlichste Biomasseströme genutzt werden, gibt es kein einheitliches Produkt, kein definiertes Herstellungsverfahren. Es ist eine Philosophie, eine Herangehensweise bei der Bodenbearbeitung, die die Kreisläufe schließt und die Böden nachhaltig aufwertet. Mit genau den Möglichkeiten und Gegebenheiten, die lokal vorhanden sind.